Schmieche

Schmieche kritisiert den Kapitalismus und fühlt sich grandios. Die Welt wird auf ein erträgliches Maß vereinfacht, es gibt die Guten und die Bösen, die Guten besitzen nichts, die Bösen dagegen alles. Schuld an dieser ungerechten Verteilung ist das System. Das System schwebt wie ein gefährlicher Drache alles beherrschend am Horizont und hält die ganze Welt mit seinen eisernen Klauen umklammert in Dunkelheit und Unterdrückung. So denkt Schmieche und mit diesen Gedanken bespricht er in ritualisierten Psalmen gähnende Zuhörer, wenn diese nicht rechtzeitig die Flucht ergreifen.

Die Beschreibung Schmieches könnte bereits an dieser Stelle enden, ergäben sich nicht auf wundersame Weise auch im dunkelsten Zeitalter hier und da Möglichkeiten, einen winzigen Schritt des Weges der gesamten Menschheit zu gehen, des weiten Weges zu einer besseren Welt, wie sie auf Plakaten und Demonstrationen als möglich und wünschenswert besungen wird. Als drei der größten Steine auf diesem Weg werden dabei weithin Rücksichtslosigkeit und Egoismus sowie ferner die Unfähigkeit des Reflektierens eigenen Verhaltens angesehen, allesamt Eigenschaften, die an sich selbst zu ändern jeder gern bereit sein möchte.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Schmieche, anstatt beschwerlich die eigenen Steine im sensiblen Getriebe des Zusammenlebens mit anderen Menschen zu zertrümmern, die dünnsten Bretter bohrte.

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