Gotteshase

„Die Schokotorte dort
Kriegen wir auch noch mit fort!“
Gottes Blick fällt auf eine Bande
Breiter Buben. Eine Schande
Für die ganze Christenheit
Sie rauchten sich heut ganz schön breit
Danach kam großer Appetit
Und nach dem ultrageilen Lied
Sind sie nochmal los gezogen
Haben zwei Schlösser aufgebogen
Und stehn nun voll Begeisterung
Um Erna Meiers Tiefkühltruhn
Der Hasenbraten soll es sein
Dazu noch etwas guten Wein
Und eben diese Schokotorte
Dann schleichen sie sich schon hinforte
Man ahnt sie später gierig schlingen
Und alsbald Traumesflügel schwingen

Am nächsten Morgen steigt Frau Meier
Noch vor der Ostermesse-Feier
Hinab in ihren Mietshauskeller
Sie wünscht sich auf den Festtagsteller
Des Mittags dieses Hasentier
Mit Klößen, Rotkohl, einem Bier
Der Truhe Deckel hebt sich schwer
Doch darunter – alles leer
„Auferstanden ist er!“ schreit sie gleich
Vor Schreck ist ihr Gesicht ganz weiß
Gedanken schießen durch ihr Hirn
Dann ist sie sicher, kann beschwörn
Dass dieser Hase Jesus war
Gott persönlich, besser gar:
Die heilige Dreifaltigkeit!
Durchdrungen von Bedeutsamkeit
Kann Erna kaum Balance halten
Sie muss gleich ihres Amtes walten
Es muss die ganze Welt erfahrn
Dass Gott in ihrer! Truhe war

Sie schlägt noch schnell drei Kreuze
Geht auf die Straße und dort schreit se
„Der Allmächtige ist wieder da!“
Jedem, der es wissen will, und das sind viele
Erzählt sie, in immer blumigerem Stile
Dass die Dreifaltigkeit aus ihrem Keller
Fast gelandet wär auf ihrem Teller
Den meisten ist die Erna peinlich
„Vermutlich kifft die manchmal heimlich!“