FlixBus
Es sind die jüngeren, die ärmeren, die idealistischeren, die weniger deutschen - kurz, die angenehmeren Teile der Gesellschaft, die Flixbus fahren, auch wenn es das eine oder andere unsympathisch auftretende Individuum darunter gibt, so wie sicher das ein oder andere Autofahry aus der Masse der Idioten leuchtet.
Es könnte alles so einfach sein.
Nachtzüge, von intelligenten Computern organisiert, durchqueren Europa, verbinden jedes Kuhdorf mit mehr als drei Handvoll Eltern, Wagons werden schlau und automatisch umgehängt, während alles schläft. Schnelle und langsame Züge mit bequemen Betten, geschickt kombiniert, schaffen 1000 Kilometer und mehr in einer Nacht, von Dresden nach Lyon und wenn man noch weiter muss, guckt man sich einen Tag das örtliche Weltkulturerbe an, bevor man wieder ins rollende Bett kriecht.
Das alles zu bezahlbaren Preisen, das Geld dafür ist da, das kann von den Folgekosten des westlichen Lebensstils abgezogen werden. Das Recht auf menschenwürdigen Transport wird endlich als Menschenrecht verankert, nichts mehr mit verrenkten Wirbelsäulen und Sitzthrombosen in viel zu engen Reihen, in wackelnden und wankenden Vehikeln, von unterbezahlten Fahrys gelenkt, die ihre und unsere Gesundheit der Nacht auf dem Silbertablett servieren.
Und:
Auf den Parkplätzen und Rasthöfen Europas vergammeln am Wochenende und an Feiertagen hunderttausende meist Männer, sehen zu, wie der unangenehmere Teil der Gesellschaft das halbe Sandwich für 12,30 Euro in die Tonne schmeißt, weil Pfeffer fehlt. Jedes Pissen kostet, ständiger, grauenvoller Lärm. Ringsum Beton. Es ist unvorstellbar in seiner schieren Dimension.
Dass wir uns diese Zustände immer noch gefallen lassen, dass sie gar noch zunehmen, erschreckt mich jedesmal wieder.